Die Chancen nutzen, um ein echtes Modellviertel zu schaffen

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Stellungnahme von déi gréng Stad zum Wunnquartier Stade – Phase 2

Auch wenn die fünf zurückbehaltenen Projekte deutlich nachgebessert wurden, so bleiben „Nachhaltigkeit“ und „Lebensqualität“ zu konkretisieren, damit auch tatsächlich hochwertig und in hohem Maße innovative Projekte umgesetzt werden. 

Leider wurde auch in dieser zweiten Phase des Urbanismusprojekts „Areler Strooss“ erneut die Chance für eine aktive und breite Bürgerbeteiligung verpasst. Die Bürger.innen hatten lediglich 3 Wochen Zeit, die verschiedenen Projekte vor Ort zu kommentieren. Die Möglichkeit, die Projekte über die Internetseite der Stadt zu begutachten, war zwar eingerichtet aber völlig unintuitiv und damit nicht „userfriendly“. Ein solches Vorgehen kann bestenfalls als „Konsultation“ bezeichnet werden, aber nicht als Bürgerbeteiligung. DieBürger.innen (zukünftige Bewohner.innen, Anrainer.innen, Einwohner.innen, Zivilgesellschaft, Expert.innen...) sowie der Gemeinderat (und also auch die politische Opposition) muss aktiv in den weiteren Prozess eingebunden werden.

Die Energiekonzepte, die in der ersten Projektphase noch teils inexistent oder nicht zeitgemäß waren, wurden inzwischen überarbeitet. Allerdings fehlen in diesem Punkt noch immer konkrete Angaben, so dass viele Fragen daher noch offen bleiben und eine Bewertung erschweren. In Zeiten des Klimanotstandes muss ein neues Viertel mindestens klimaneutral konzipiert werden, besser wäre „Energieplus-Standard“!

Auch mangelt es bei einigen Projekten in der Phase 2 noch an Konsequenz: etwa bei der Grünvernetzung oder einem optimalem Wassermanagement. Ökologisch muss das Viertel neue Maßstäbe setzen: so sollen z.B. die Gebäude den Kriterien der Baubiologie entsprechen und auch die Holzbauweise in Erwägung gezogen werden. 

Es ist begrüßenswert, dass die Projekte in Punkto Mobilität und Gestaltung des öffentlichen Raums verbessert wurden. Das neue Viertel soll wirklich autofrei sein, was nur gelingt, wenn ansprechende, öffentliche und frei zugängliche und gemeinschaftliche Orte geschaffen werden, die den Bedürfnissen der Menschen, sowie Fußgänger.innen und Radfahrer.innen gerecht werden.

In der nun abgeschlossenen Phase 2 der Planung fehlen noch Details zu den Wohnungen bzw. den möglichen Wohnformen. Neben klassischen Mietwohnungen, darunter auch ausreichend für Personen und Familien der unteren Einkommensgruppen, sollen auch alternative Wohnformen etwa Wohngemeinschaften, Senioren-, Studenten- und intergenerationelle Wohnungen entstehen. Auch die Barrierefreiheit muss umfassend gewährleistet werden. Um Integration und Zusammenleben zu fördern und den Flächenverbrauch zu reduzieren, müssen ausreichend Gemeinschaftsräume (für soziale Aktivitäten, Feste, Gästezimmer...) eingeplant werden.

Schließlich stellt sich angesichts der zur Zeit in der Stadt diskutierten sozialen Probleme auch die Frage, inwiefern nicht zumindest eine städtische Einrichtung für sozial benachteiligte Menschen von Anfang an mitgeplant werden muss.

déi gréng Stad Lëtzebuerg haben im Rahmen der 1. Planungsphase am 24. Februar 2020 eine detaillierte Stellung vorgelegt, die weiterhin Gültigkeit hat.